Erhöhung des Mindestlohns alarmiert die Deutsche Wirtschaft in Rumänien

06.11.18 Pressemitteilungen, Pressemitteilungen

Mit den weiteren geplanten Erhöhungen des Mindestlohns, die von der Regierung willkürlich und ohne jedwelche Impakt-Studie erfolgt sind, wird es innerhalb der deutschen Business Community in Rumänien kurz- bis mittelfristig zu Anpassungen des Geschäftsmodells kommen. Das kann durchaus bedeuten, dass deutsche Unternehmen in Rumänien - insbesondere in der verarbeitenden Industrie - bestimmte Geschäftsaktivitäten reduzieren und zukünftig komplett einstellen werden.

In den letzten 4 Jahren wurde der Mindestlohn verdoppelt, ohne dass die Produktivität damit Schritt halten konnte. Um die Weichen zu stellen, dass mit der Erhöhung der Gehälter auch Produktivitätszuwächse einhergehen, ist es für die deutsche Wirtschaft in Rumänien von besonderer Bedeutung, dass die rumänische Regierung massiv und schnellst möglich in berufliche und universitäre Bildung und den Ausbau der Infrastruktur investiert. Dringender Handlungsbedarf auf Seiten der Regierung besteht darüber hinaus, für die Wirtschaft stabile und wirtschaftlich nachhaltige Rahmenbedingungen zu schaffen. Es besteht die Gefahr, dass durch die Lohnerhöhung, über den Anstieg der Importe, das Leistungsbilanzdefizit weiter stark ansteigt, was wiederum zu einem Anstieg der Inflation bzw. zu einer RON-Abwertung führt. Die durch den Konsum stimulierenden Wachstumseffekte laufen Gefahr, zu verpuffen. Übrig bleibt ein erhöhtes Preis- und Lohnniveau, zu Lasten der Attraktivität des Wirtschaftsstandorts. Daher plädieren wir für eine enge Kopplung zwischen Mindestlohnerhöhungen und Produktivitätszuwächsen.

Die Kopplung des Mindestgehalts an Diplome/Zeugnisse macht aus unserer Sicht wenig Sinn, denn es geht nicht in erster Linie darum, was ein Mensch gelernt oder studiert hat, sondern darum, was er tatsächlich leistet. Ebenfalls wenig Sinn macht die Kopplung des Mindestlohns an die Anzahl der Arbeitsjahre - im Gegenteil dies könnte sogar kontraproduktiv sein, da die betreffende Berufskategorie zukünftig von den Arbeitgebern als weniger attraktiv angesehen wird.

Auch mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit einzelner Branchen und Regionen ist es absolut notwendig, differenziert vorzugehen. So führt eine national einheitliche Erhöhung des Mindestlohnniveaus dazu, dass schwächer entwickelte Regionen, an Attraktivität für Investoren verlieren, da diese tendenziell ihre Investitionsentscheidung zu Gunsten von entwickelteren Regionen treffen werden.

Hohe Priorität sollte der Vorausschaubarkeit beigemessen werden. Eine solche Maßnahme kann unmöglich derartig kurzfristig in Kraft treten. Wir würden uns wünschen, und das haben wir immer wieder betont, dass die Entscheidungsträger sich mit den Repräsentanten der Wirtschaft an einen Tisch setzen und gemeinsam die Vorgehensweise abstimmen, bevor solche Maßnahmen beschlossen werden.



Über die Deutsch-Rumänische Industrie- und Handelskammer (AHK Rumänien)

Die AHK Rumänien ist die offizielle Vertretung der deutschen Wirtschaft in Rumänien und zugleich die größte bilaterale Handelskammer in Rumänien. Die AHK Rumänien gehört, zusammen mit den IHKs, zum weltweiten Netzwerk der Auslandshandelskammern, dessen Dachorganisation der Deutsche Industrie- und Handelskammertag e.V. (DIHK) in Berlin ist. Die im September 2002 gegründete Deutsch-Rumänische Industrie- und Handelskammer zählt über 550 Mitgliedsunternehmen und bietet Unternehmen eine wichtige Networking-Plattform für Erfahrungs- und Informationsaustausch.

Mit ihrem Leistungsangebot und ihren Veranstaltungen unterstützt sie aktiv deutsche Firmen bei ihrem Markteintritt und Standortaufbau in Rumänien und ist zugleich ein Partner für rumänische Unternehmen mit Interesse am deutschen Markt. In Rumänien widmet sich die AHK Rumänien aktiv der Implementierung des dualen Berufsbildungssystems nach deutschem Vorbild und betreibt eine eigene GreenTech Initiative, econet romania, sowie ein eigenes Ständiges Schiedsgericht. 


Kontaktdaten für die Presse:
 Carmen Kleininger
 Deutsch-Rumänische Industrie- und Handelskammer

+40 21 207 91 50  
+40 21 223 15 38
kleininger.carmen(at)ahkrumaenien.ro
www.ahkrumaenien.ro